Episode VI: einmal (fast) ganz Georgien
Genug vom Stadtleben, vor allem vom doch eher anstrengenden und ungemütlichen Stadtstellplatz mit zu viel Müll für ein Krabbelkindchen. Es war wieder dringend Zeit für Natur und Weite. Wir fuhren in die Nähe der Stadt Telawi, einer der vielen Weinbauregionen Georgiens. Dort gab es neben der vermutlich hundertsten von uns besichtigten (aber trotzdem sehr schönen) Kirche Alaverdi endlich unseren allerersten Blick auf den Kaukasus! Und der war atemberaubend. Zwischen Kühen, Hunden, Schafen und natürlich einer weiteren Kirche ruhten wir einige Tage mit der imposanten Bergkette im Blick und erholten uns. Unser Highlight war ein nächtliches Gewitter, das angenehmerweise die Wiese auf der wir standen fast komplett aussparte. Aber rund und um uns herum brachte es die eindrucksvollsten und mächtigsten Blitze hervor, die wir je gesehen haben.
Auch hier konnten wir die Freundlichkeit der Georgier wieder einmal erleben. Auf einer kleinen Erkundungstour rund um den Stellplatz fing ein Mann in Gummistiefeln plötzlich wild an zu gestikulieren. Als pflichtbewusste deutsche Staatsbürger denken wir natürlich zunächst an zwei Dinge: entweder er will uns verscheuchen, oder er will uns irgendwas verkaufen. Zu unserer Überraschung wollte er uns nur zeigen, dass er Baby-Ziegen in seiner Herde um die Ecke hat und Paula sie unbedingt streicheln muss. Sie hat sich natürlich außerordentlich über so ein süßes Zicklein gefreut, und der Besuch bei Pferd mit Fohlen setzte dem ganzen die Krone auf.
Das Warten auf besseres Wetter hat sich gelohnt. Kaukasus - here we come! Wir hatten 3 Tage blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein und konnten die absolut atemberaubende Bergwelt bestaunen. Über die alte georgische Heerstraße ging es durch traumhafte Landschaften und vorbei an nicht enden wollenden LKW-Schlangen zu unserem nächsten Ziel: Stepantsminda - auf 1740 m mitten im Kaukasus und kurz vor der russischen Grenze im Norden Georgiens.
Für uns stellen die Tage im Norden im eigentlichen Wortsinn den Höhepunkt und auch den Wendepunkt unserer Reise dar. Von nun an machen wir uns wieder auf den Heimweg und lassen uns Richtung Westen treiben.
Muss auch mal sein
Unterwegs konnten wir bei Gudauri das russisch-georgische Freundschaftsdenkmal bestaunen, welches seinen ganz eigenen Charme ausstrahlt.In Stepantsminda angekommen, ging es sofort zum von uns lang ersehnten Wahrzeichen Georgiens, der Dreifaltigkeitskirche von Gergeti. Unser Schlafplatz dort oben auf knapp 2200 m war zwar bitterkalt und mit strammen Bergwind, dafür aber abends, nachdem alle übrigen Touristen weg waren, umso magischer. Menschenleer, die Berge, die Kirche, Sternenhimmel und Vollmond. Mit Sicherheit einer der bleibenden Eindrücke unserer Reise.
Mit unseren Freunden Wenzel und Isabel aus Innsbruck verbrachten wir hier auch nochmal einen letzen Abend. Sie kamen gerade von der Besteigung des 5054 m hohen Kasbek zurück. Für die beiden ging der Weg weiter nach Russland.
Vor der Rückreise ging es noch zu einem Wasserfall im Grenzgebiet zu Russland
Dieser Heimweg hat uns in Georgien noch zu einem kleinen versteckten Weingut in Kaspi gebracht, das uns von Mitreisenden empfohlen wurde. Nach gutem Wein und leckerem Essen konnten wir hier das erste Mal auf unserer Reise abends nach 21 Uhr ohne warme Jacke rausgehen.
Weiter ging es Richtung Westen über den Geburtsort von Stalin - Gori.
Frisches Brot findet man an vielen Orten
Das Regenwetter holte uns wieder ein. Weiter ging es vorbei an gigantischen Infrastrukturprojekten der "neuen chinesischen Seidenstraße" und verlassen daliegenden Industriebrachen zu wunderbar heißen Quellen im Umland von Amaghleba, südlich von Kutaisi.Hier hat uns das Wetter dann buchstäblich zu verstehen gegeben, dass es an der Zeit ist, Georgien zu verlassen. Während eines Telefonats mit Maxis Familie hat der Blitz in die Wilma eingeschlagen - oder es zumindest versucht, dem Faradayschen Käfig sei Dank. Gruselig war es trotzdem, aber sowohl Mensch als auch Maschine sind heil geblieben.
Auf unserem Weg zur Grenze wurden wir dann aber wieder versöhnt, indem wir an einem wundervollen Strand am Schwarzen Meer südlich von Poti zwei Tage verbringen konnten. Statt dem prophezeiten Regen hatten wir einen wundervollen Sonnentag und wurden morgens von einer kleinen Pferdeherde direkt bei uns vor der Wilma begrüßt. Diese graste noch einige Stunden in unserer Nähe. Das hatten wir davor noch nicht erlebt.
Mit soviel Hilfe hat sich hier das Müllsammeln auch mal gelohnt. Im restlichen Georgien war das leider ein Kampf gegen Windmühlen.
Für die nächsten Tage war nun wieder Regen und Regen und Regen angesagt. Wir hatten genug. Genug vom Wetter und der Kälte, aber auch positiv genug von all den Eindrücken und wundervollen Erfahrungen. Also wurde der Weg zurück in die EU angetreten.
Und Mal wieder Spielplatz mit neuen Bekanntschaften
Wir hatten schon auf dem Hinweg entschieden, uns die Türkei auf dieser Reise nicht genauer anzuschauen. Dafür ist sie viel zu groß und viel zu schön, um sie nur so beim Durchfahren zu erleben. Also haben wir ein bisschen auf die Zähne gebissen, die Asphaltcowboyhüte zurechtgerückt und sind die 21h Fahrtzeit von Georgien nach Griechenland in 1,5 Reisetagen gefahren. Tagsüber zu Noras Schläfchen und nachts ein paar Stunden, wenn die Kids beide schlafen. Spaß gemacht hat’s keinen aber was will man bei Regen auch sonst machen?
Bei hoffentlich besserem und vor allem wärmerem Wetter wollen wir nun mal noch ein bisschen normaleren Urlaub in Griechenland machen.
Bis bald!