Episode II: Georgia, here we come!

Da unser erster Bericht mit ein paar Tagen Zeitverzögerung erschienen ist, kommt dieser zweite Bericht nun topaktuell - zumindest fast.

Nach unserem wunderschönen Delfinerlebnis haben wir beschlossen, das regnerische Wetter zu nutzen, um nochmal richtig Strecke zu machen. Und so sind wir rasend schnell in 2 Tagen die komplette Schwarzmeerküste der Türkei entlang gefahren. Über die Städte Samsun, Trabzon und das Felsenkloster Sumela ging es Richtung georgischer Grenze.

Unterwegs gab es nächtliche Staus, wirklich köstliches Essen an unscheinbaren Autobahnraststätten und Bauernhofromantik direkt an der Schnellstraße, mal mit Sonne, mal mit strömendem Regen. Auch Erdrutsche gehören hier zum Alltag.

Die Menschen hier in der Türkei waren ausnahmslos super nett und hilfsbereit. Vor allem natürlich mit den Kindern ist es sehr einfach „ins Gespräch“ zu kommen - oder zumindest irgendwelche Wortbrocken miteinander auszutauschen und sich anschließend einen schönen Tag zu wünschen. Jeder kneift den Mädels aus Freude in die Backen, Paula findet das natürlich ziemlich doof, Nora umso toller.

11 Tage nach unserer Abfahrt in Deutschland sind wir dann über die Grenze nach Georgien! Wir waren absolut happy, so schnell und doch irgendwie relativ entspannt an unserem ersten „Ziel“ angekommen zu sein. Bei Nacht und Regen haben wir uns dann kurz hinter der Grenze einen Schlafplatz am Strand gesucht. 


Am nächsten Morgen hat uns Georgien richtig schön willkommen geheißen. Es war zwar kalt und windig, aber die Sonne schien! Ein alter Mann kam auf uns zu und anstatt sich zu beschweren, dass wir da mit unserem Bus stehen, hat er sich nur neugierig Wilmas Innenleben anschauen wollen und war mehr als erstaunt, dass wir da alle Platz haben. Das Wetter war so schön, dass wir den Morgen damit verbringen konnten am Steinstrand Türme zu bauen und eine ganze Tüte bunter Kieselsteine mit in die Wilma einziehen zu lassen.


Weiter ging es in die zweitgrößte Stadt Georgiens, Batumi. Eigentlich eine seelenlose Hochhaus- und Hotelkomplexstadt, doch bei genauerem Hinsehen: schöne kleine Restaurants in der Altstadt, eine riesige Strandpromenade voller Spielplätze, wunderschöner Parks und jeder Menge bunten Lebens. Nach einer so langen Fahrt und viel schlechtem Wetter hat es uns dort ganz fabelhaft gefallen und wir haben einen Tag Frühling bei Eis und Erdbeeren genossen. 

Genug von Kälte und Nässe haben wir uns für das Osterwochenende einen kleine „Hütte“ in den Bergen gesucht. Auf der Fahrt dorthin fühlten wir uns schon richtig mittendrin in Georgien. Hügel,  Berge, Flüsse, ganz viel Grün und ganz viel Vieh, vereinzelte kleine Steinhaussiedlungen. Unsere Unterkunft war ein komplett neues und modernes Häuschen, irgendwie spartanisch eingerichtet aber keineswegs ohne Komfort.

Im Hot-Pot auf der Dachterrasse verbrachten wir etliche Stunden. Mal zu viert beim Planschen oder zu zweit bei Bier und Sternschnuppen. Sam kam aus dem Heizen der Öfen für Hütte und Hot-Pot kaum raus.

Wir blieben 3 Nächte in der Unterkunft und haben erstmal richtig durchgeatmet und neue Kraft getankt. Zum Glück hatte uns der Osterhase selbst an diesem fernen Ort gefunden und wir konnten mit den Mädels in einer so ursprünglichen Landidylle Ostereier suchen. Das war einfach herrlich und wird sicherlich unvergesslich bleiben. Die Umgebung wurde natürlich auch noch erkundet, mal zu Fuß und mal mit dem Auto.


Bei unserer Weiterfahrt durften wir dann auch Bekanntschaft mit Georgiens zum Teil doch recht bescheidenen Straßenverhältnissen machen. Anstatt auf einer der wenigen großen zentralen Schnellstraßen einen kleinen Umweg mitten durch Georgien zu fahren, fand es Google Maps besser uns zu unserem nächsten Ziel auf einer Straße der 2. Kategorie zu bringen. Was wir am Anfang noch für eine Baustelle hielten, stellte sich irgendwann als Normalzustand der Straße dar. Und irgendwie verpassten wir den Zeitpunkt umzudrehen, weil wir immer dachten, dass es "ja wohl bald besser" werden würde. Long Story short, wir hatten eine 4-stündige Horrorfahrt über eine Passstraße bei Regen und Schnee. Und das mit unserer Wilma, 25 Jahre alt, über 400 000km drauf - und Sommerreifen. Aber oh Wunder, wir haben es alle heil geschafft. Lektion für den Rest der Reise gelernt. Genug Abenteuer. 

Und um den Tag noch zu krönen, wurde Maxi am Abend noch von der Polizei unter einem Vorwand angehalten und musste pusten…gut, dass das Gerät den Schockschnaps nach der Fahrt nicht gemessen hat…in Georgien ist nämlich 0,0‰.. Zum Glück hat die Polizei das Baby am Steuer übersehen, sonst wären wir vermutlich nicht so glimpflich davon gekommen 😄.

Unser nächster Stopp war Vardzia. Eine beeindruckende Höhlenstadt aus dem 12. Jahrhundert, gelegen in einem wunderschönen Tal im kleinen Kaukasus im Südwesten Georgiens. Atemberaubend war dort vor allem unser Stellplatz. Oberhalb einer Schlucht und nur Schafe und Kühe weit und breit. Wir wanderten zum Fluss hinunter, um zu spülen und auf dem Rückweg wurde Holz fürs Lagerfeuer gesammelt. Es war weiterhin kalt, windig und regnerisch, aber ab und zu blitzte auch mal kurz die Sonne durch. Damit waren wir die Glücklichsten.


Zum Aufwärmen haben wir bei Vardzia noch unverhofft eine ganz spezielle Wellnessoase gefunden. Ein alter Schuppen, eine Handynummer auf der Tür...10 Minuten später kam ein alter Mann und hat uns unser privates Schwimmbad aufgeschlossen. Ein 40°C heißes Schwefelbecken! Ein sehr sonderbarer Ort, aber umso unvergesslicher…

Nun führt uns unser Weg erstmal für kurze Zeit aus Georgien hinaus und nach Armenien hinein!
Mehr dazu beim nächsten Mal!